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Bahnsteigdachsystem HSM® eröffnet neue Möglichkeiten

Bahnsteigüberdachungen der Zukunft

Das neue Bahnsteigdachsystem HSM® erleichtert die Planung, Fertigung und Montage bei Sanierungs- und Neubauprojekten. Derzeit betreibt die DB Station & Service AG rund 5.400 Personenbahnhöfe in Deutschland. In den letzten Jahren wurden nach Unternehmensangaben insgesamt 325 Mio. € aus den Mitteln der Konjunkturprogramme I und II in die Sanierung von rund 2.100 kleineren und mittleren Bahnhöfen investiert. Im Rahmen der Kunden- und Qualitätsinitiative der Deutschen Bahn AG kündigte der Vorstandsvorsitzende Dr. Rüdiger Grube an, bis 2014 „fast alle Bahnhöfe mit einem Wetterschutz auszustatten“ und dafür weitere 16,5 Mio. € zu investieren. Eine große Herausforderung, da immer noch zahlreiche mittlere und kleinere Bahnhöfe in Deutschland über veraltete Wetterschutzhäuser oder stark sanierungsbedürftige Bahnsteigdächer verfügen. Darüber hinaus besteht aber auch bei der Neu- und Umgestaltung von Bahnhöfen Bedarf an neuen Bahnsteigüberdachungen. Vor diesem Hintergrund stellt Hering Bau ein neues System vor, das gerade bei mittleren und kleineren Bahnhöfen eine kosten- und zeiteffiziente Alternative bietet.

Kurzüberblick: Derzeitige Bahnsteigdach-Systeme am Markt

Seit einigen Jahren sind von der Deutschen Bahn AG in der Regel ausschließlich die beiden in deren Produktkatalog enthaltenen Bahnsteigdach-Systeme „Bodenheim“ sowie „Zwiesel“ für den Einsatz an Bahnhöfen zugelassen. Infolge eines Ideenwettbewerbs der Deutschen Bahn im Jahr 2008 wurde darüber hinaus im Januar 2011 das System „Bodenheim light“ für Nebenangebote zugelassen. Die Bahnsteigdach-Systeme „Bodenheim“ und „Zwiesel“ haben sich bei hunderten von Projekten – vor allem an repräsentativen und großen Bahnhöfen – über Jahre bewährt, stellen aber aufgrund ihres hohen Planungsaufwands gerade für die zukünftig zu sanierenden und neu zu bauenden Bahnsteigüberdachungen an mittleren und kleineren Personenbahnhöfen keine praktikable bzw. kosteneffizient realisierbare Lösung dar. Da bei diesen Bahnsteigdach-Systemen die Dachkante exakt an der Bahnsteigkante entlang verläuft, müssen die einzelnen Dachelemente bei der Planung dieser Dächer individuell angepasst werden. Dieser hohe Grad an Individualisierung erschwert die Vorproduktion ungemein bzw. macht sie unmöglich.

Innovatives System eröffnet neue Möglichkeiten

Um den zukünftigen Anforderungen gerade an mittleren und kleineren Bahnhöfen gezielt nachkommen zu können, ist ein System erforderlich, das eine weitgehende und projektunabhängige Vorfertigung gewährleistet. Darüber hinaus sollten die Montageabläufe gegenüber den derzeit zugelassenen Dächern vereinfacht und zeitlich reduziert werden. Ein solches System hat Hering Bau – zuvor bereits Erfinder der Systeme „Bodenheim“ und „Bodenheim light“ – nach intensiver Planungs- und Konstruktionsarbeit im Zuge eines Ideenwettbewerbs der Deutschen Bahn AG im Jahr 2009 entwickelt. Nachfolgend werden das sogenannte Hering-Schiebe-Montage-System (HSM®-System) und dessen Vorteile in der Praxis genauer dargestellt. (siehe Abb. 1)


Abb. 1: Entwurf HSM®-System im Zuge des Ideenwettbewerbs der Deutschen Bahn AG

Planung und Vorfertigung

Um einen möglichst hohen Vorfertigungsgrad zu erzielen, wurde das neue Bahnsteigdachsystem als „Baukasten“ und ausschließlich in drei Breiten (4,00 m/4,50 m/5,00 m) konzipiert. Die Länge eines Moduls beträgt 18,00 m, wobei je nach Bahnsteiglänge beliebig viele Einzelelemente miteinander kombiniert werden können. Auf die bei den anderen derzeit zugelassenen Bahnsteigdach-Systemen obligatorische Anpassung an den Bahnsteigkantenverlauf wird bewusst verzichtet. Eine Modulseite besteht aus jeweils zwei Längselementen à 9,00 m Länge und einer Breite von 2,00 m bzw. 2,50 m je Bahnsteigseite. Der Einsatz des Systems ist aufgrund der gewählten Breiten auf schmalen wie breiten Bahnsteigen von 4,60 m bis max. 8,60 m möglich – womit alle gängigen Bahnsteigmaße auf mittleren und kleineren Bahnhöfen abgedeckt werden können. Durch die vorgegebene Modulbreite und -länge kann das neue HSM® Bahnsteigdach-System projektunabhängig hergestellt und eingelagert werden. Die Serienfertigung führt zu nachhaltigen Kosteneinsparungen und zur jederzeitigen Abrufbarkeit benötigter Elemente.

Montage

Neben dem hohen Grad an Vorfertigung stellt insbesondere die effiziente Montage einen wesentlichen Vorteil des neu entwickelten HSM®-Systems dar. Diese lässt sich mit einem Zweiwege-Bagger von nur einer Gleisseite aus realisieren. Dabei erfolgt die Vormontage der Dachelemente bereits im Werk, was auf der Baustelle Zeit einspart. Die Installation selbst vollzieht sich wie folgt:

  1. Alle Modulteile des Dachsystems werden – ohne Umlade-Vorgang – auf einem Bahnwagen angeliefert und mit einem Zweiwege-Bagger montiert.
  2. Die Dachstützen bzw. Stützenportale werden an Stehbolzengestellen, die bereits in den Fundamenten eingebaut sind, befestigt. (siehe Abb. 2 und 3)
  3. Die Montage der Dachelemente erfolgt im Schiebetaktverfahren von nur einer Gleis- bzw.  Bahnsteigseite aus – so ist nur eine einseitige Gleissperrung erforderlich. Dabei erfolgt zunächst das Auflegen des Dachelementes für die gegenüberliegende Gleisseite. Von hier wird das aufgelegte Dachelement über Montagegleitschienen an den Kragarmen der Stützen sowie durch entsprechende Zugwerkzeuge auf die Endlage am gegenüberliegenden Gleis gezogen und befestigt. Durch das Montageverfahren sind die Elemente so geführt und gehalten, dass keine Gefahr für den Bahnbetrieb und die Oberleitungen ausgeht. Diese müssen nur auf der Seite, auf der der Zweiwege-Bagger und der Bahnwagen stehen, abgeschaltet werden. Das Lichtraumprofil auf der nicht gesperrten Gleisseite wird durch die Montage nicht eingeschränkt. (siehe Abb. 4)
  4. Im Anschluss wird das Element auf der gesperrten Gleisseite ebenfalls auf die Kragarme der Stützen gehoben und dort fixiert.
  5. Gegen Absturzgefahr werden in der mittleren Längsachse des Daches ein Rückhaltesystem sowie ein Laufsteg für sichere Begehbarkeit installiert.
  6. Nach der Dachmontage können z. B. Beleuchtung, Beschallung sowie Uhr, Beschilderung, Zugzielanzeiger, Gleisbezeichnungsschilder und Sitze montiert werden. Entsprechende Vorrichtungen sind in Dach und Stützen vorhanden.


Abb. 2: Stehbolzengestelle für die Stützenbefestigung


Abb. 3: Stützenmontage


Abb. 4: Verschieben des Dachelementes

Pilotprojekt in Ebersberg: Neues System im Einsatz

Erstmalig wurde das neue HSM® -System als Pilotprojekt im Dezember 2011 im S-Bahnhof Ebersberg (südlich von München) in der Praxis eingesetzt. Die Installation des 3,40 m hohen, 4,50 m breiten und 33,00 m langen Bahnsteigdaches erfolgte innerhalb von nur 35 Stunden mit Hilfe eines Autokrans bzw. eines Zweiwege-Baggers. (siehe Abb. 5)


Abb. 5: Pilotprojekt S-Bahnhof Ebersberg

Fazit

Um den zukünftigen Anforderungen der Sanierung bzw. des Neubaus von Bahnsteigüberdachungen vor allem an kleineren und mittleren Bahnhöfen gerecht werden zu können, sind Systeme gefragt, die – durch hohe Vorfertigung und ein intelligentes Montageverfahren – kosteneffizient geplant und realisiert werden können. Hier bietet das neue HSM®-System einen praktikablen Lösungsansatz.


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