Frankfurt, 25. März 2009 - Deutsche Verkehrspolitiker sowie die Allianz pro Schiene und ihre Mitglieder bewerten die Pläne der EU-Kommission kritisch, dem Schienengüterverkehr auf bestimmten Korridoren Vorrang vor Personenzügen einzuräumen.
Der Aussage des Allianz pro Schiene Geschäftsführers, Dirk Flege, dass die Pläne der EU-Kommission, über die am 31. März der Verkehrsausschuss des Europaparlamentes abstimmt, korrekturbedürftig sind, schließen sich die Mitglieder des Verbandes Deutscher Eisenbahn-Ingenieure vollinhaltlich an. Auf einer verkehrspolitischen Veranstaltung am 23. März in Berlin wurde gemeinsam mit EU-Parlamentariern herausgearbeitet, dass die Kapazität sowohl für Personen- als auch für Güterzüge erweitert werden muss. Personenzüge dürfen nicht die Verlierer sein, wenn der grenzüberschreitende Schienengüterverkehr attraktiver gemacht werden soll. Den Mangel auf hoch belasteten Korridoren einfach umzuverteilen, ist nicht zielführend, sondern die Engpässe sind gemäß dem konkreten Bedarf auszubauen.
Unterstützung bekam das Schienenbündnis in dieser Frage von deutschen EU-Parlamentariern mehrerer Parteien, die auf Einladung der Allianz pro Schiene über die Zukunft des Schienenverkehrs nach der Europawahl diskutierten. Die Vertreter von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Linken waren sich gemeinsam mit den Mitgliedern der Allianz pro Schiene darüber einig, dass der europäische Güterverkehr auf der Schiene ausgebaut werden muss. MdEP Ulrich Stockmann (SPD) sympathisierte zwar mit dem EU-Vorschlag, ein Vorrangsprinzip auf grenzüberschreitenden Strecken einzurichten, sprach sich aber gegen „starre Vorrangsregelungen" aus: „Wir brauchen mehr Fantasie“. So könne man etwa Trassen in weniger vertaktete Regionen verlegen. Nach dem Willen der EU-Kommission müsste Deutschland als einziges EU-Land gleich drei Güterverkehrskorridore einrichten, da sich die Anzahl der Korridore nach dem Frachtvolumen richtet. Als Strecken für die genannten Korridore kämen Rotterdam-Köln-Mannheim-Basel-Genua sowie Duisburg-Berlin-Warschau und Stockholm-Hamburg-München-Neapel in Frage.
Joachim Zeller, Europakandidat der Berliner CDU, machte sich für den Ausbau der Infrastruktur „sowohl für den Güter- als auch für den Personenverkehr" stark. MdEP Michael Cramer (Grüne) hielt das Vorrangnetz für „unrealistisch“ und warb dafür, bestehende Schwachstellen in der Infrastruktur zu analysieren und zu beheben. Wilfried Telkämper, Europakandidat der Linken, sprach sich grundsätzlich für Korridore für den europäischen Fernverkehr aus, die aber nicht zu Lasten des Personenverkehrs gehen dürften.
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